Kenia-Exkursion 2001 der Universität Trier 

 
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Universität Trier

Fachbereich VI: Geographie/Geowissenschaften

WS 2000/2001

Regionalseminar: Ostafrika

Leitung: Prof. Dr. Berthold Hornetz

Verfasser: Steffi Pfeiffer


 

Das Klima in Ostafrika – typische und besondere Merkmale eines äquatorialen Großraumes

 

1 Einleitung. 1

2 Thermische Höhenstufen und klimatische Differenzierung. 2

3 Jahresgang von Temperatur und Niederschlag. 3

4 Klimaregionen. 6

     4.1 Regenwaldklimate. 6

     4.2 Feuchtwaldklimate. 7

     4.3 Savannenklimate. 7

           4.3.1 Feuchtsavannen. 7

           4.3.2 Trockensavannen. 7

           4.3.3 Dornsavannen. 8

     4.4 Halbwüstenklimate. 8

     4.5 Höhenklimate. 8

5 Die Höhenklimate Ostafrikas (nach Jätzold) 9

6 Schlussbemerkung. 10

7 Literatur 11

 

 

 

 

1 Einleitung

Die Tropen besitzen einen ständigen Strahlungsüberschuss. Sie geben Energie an die hohen Breiten ab. Wegen des ausgeglichenen Einstrahlungsverhältnisses zwischen den Wendekreisen erhalten die inneren und äußeren Tropen im Durchschnitt etwa gleich hohe Anteile an Globalstrahlung. Der hohe Anteil an diffuser Strahlung in den inneren Tropen resultiert aus der häufigen Bewölkung großer vertikaler Mächtigkeit mit einem reichen Wasserdampf- und Aerosolgehalt. Da in den inneren Tropen sowohl hohe Einträge an direkter und diffuser Strahlung, aber auch an latenter und fühlbarer Wärme sowie – vor allem in den Regenwald-Gebieten – an langwelliger Gegenstrahlung vorhanden sind, ergeben sich beträchtliche Überschüsse. Die randlichen Tropen, insbesondere die ausgesprochen wolkenlosen Wüsten, können bereits eine negative Strahlungsbilanz aufweisen (z.B. die Sahara).

Da thermische Jahreszeiten fehlen, aber Tag und Nacht größere Temperaturgegensätze hervorrufen, werden die Tropen auch als Gebiet des Tageszeitenklimas bezeichnet. Die Abnahme der Temperatur mit der Höhe erfolgt unter isothermen Bedingungen und gliedert den Raum in Wärme-Höhenstufen, so dass sich heiße und warme Tieflandtropen (Warmtropen) von kühlen und kalten Gebirgstropen (Kalttropen) unterscheiden lassen. Der Temperaturgradient beträgt auf einer Strecke von 1.000 m nur 1° C gegenüber 5 bis 10° C auf 1.000 m im Bereich der Außertropen. Mit Annäherung an die Wendekreise und dem zeitlichen Zusammenrücken der Sonnenhöchststände in den Übergangsgebieten zu den Randtropen verändert sich das doppelte Niederschlagsmaximum zu den Äquinoktial-Zeiten allmählich zu einem sommerlichen Maximum zur Zeit des Sonnenhöchststandes in der Nähe des Wendekreises.

 

2 Thermische Höhenstufen und klimatische Differenzierung

Das östliche Afrika nimmt im Vergleich zu anderen innertropischen Regionen auf der Erde eine klimatische Sonderstellung ein. Das autochthone Niederschlagsregime der Zenitalregen wird von allochthonen Luftmassen und Strömungsverhältnissen überlagert, die im saisonalen Rhythmus diversen Konvergenz- und Divergenzeffekten unterworfen sind. Hinzu kommt weiter der Einfluss des Reliefs, das mit Hochländern, Grabenbrüchen und aufgesetzten Vulkankegeln besondere Gestaltungskraft besitzt.

Wie in allen Tropengebirgen, so sind auch in Ostafrika aufgrund der Temperaturabnahme mit der Höhe thermische Höhenstufen auszugliedern. Die einheimische Bevölkerung im Hochland von Äthiopien unterscheidet zwischen dem „heißen Land“, der Bercha oder unteren Kolla bis ca. 1500 m und Jahresmitteltemperaturen um 26° C, der oberen oder eigentlichen Kolla zwischen 1500 und 1800 m mit ca. 22° C Jahresmitteltemperatur und dem „Weinland“; der Weyna Dega, zwischen 1800 und 2500 m, das der “tierra templada“ der tropischen Anden entspricht und 15-18° C warm ist. Während in der Kolla Baumwolle und Zuckerrohr angebaut werden, ist die Weyna Dega das Anbaugebiet tropischer Höhenkulturen wie Kaffee, Teffhirse, Zitrusfrüchte und Mais. Die Dega, die “tierra fria“ Äthiopiens, reicht von 2500 m bis etwa zur Baumgrenze und ist die Anbauzone außertropischer Feldfrüchte wie Gerste, Hafer und Weizen. Die dem Hochland aufgesetzten Vulkane reichen schließlich noch in die Werch-Stufe oberhalb 3500 m hinauf, in der bei Jahrestemperaturen von 2-8° C nur noch Weidenutzung möglich ist (ASRES 1996, S. 123 ff). Diese Höhenstufen sind für den Lebensraum deswegen so wichtig, weil sie nicht nur an der Außenabdachung, sondern überall im Hochland aufzufinden sind, da es von tiefen Schluchten zerfurcht und in einzelne Hochflächenplatten, die Ambas, zerlegt ist (WEISCHET & ENDLICHER 2000, S.284 f).

Wie in den tropischen Anden, so liegen auch in Äthiopien die Hauptlebensräume nicht in den heißen Tief-, sondern in den kühleren mittleren Höhenlagen (z.B. Addis Abeba 2450 m). Dies gilt für alle ostafrikanischen Hochländer (Nairobi 1798 m).

Die saisonale Variabilität der Temperatur ist in Ostafrika aufgrund der äquatorialen Lage klein. Für gewöhnlich beträgt sie nicht mehr als 5° C, was weniger ist als die Tagesschwankung der Temperatur. Unter diesen Umständen ist der kälteste Monat öfter mit dem Grad der Bewölkung korreliert als mit dem Sonnenstand. Zum Beispiel kann der Effekt der Bewölkung über Nairobi im Juli und August die Kältewahrnehmung stärker beeinflussen als der größte Temperatursprung.

Die mittleren Temperaturen stehen eng in Verbindung mit der Höhe über NN, die beträchtlich sind. Generell kann man sagen, dass große Höhe in Küstennähe eine schnellere Verminderung der Temperaturen hervorruft, so dass die Vegetationsgrenze beispielsweise. in den Taita Hills niedriger ist als in den Bergen, die weiter im Inland liegen (MORGAN 1973, S.29-47).

So groß die Temperaturunterschiede von tropischen zu moderaten Klimaten auch sein mögen, sind es in Ostafrika doch die Niederschlagsmengen, die das wichtigste klimatische Element darstellen. Es existiert eine große räumliche Variabilität der Niederschläge, die von 100 mm (Somali-Region) bis über 2000 mm (Kakamega Forest) pro Jahr betragen kann.

Um die Niederschlagsmengen besser begreifen zu können, ist es wichtig die Evaporation mit in Betracht zu ziehen. Die potentielle Evaporation tendiert dazu, das genaue Gegenteil der Niederschläge zu sein, weil die höheren Niederschläge in größerer Meereshöhe mit kühleren Temperaturen und stärkerer Wolkenbildung verbunden sind und damit die Evaporation mindern. Die generell trockeneren Flachländer sind heißer, trockener und weniger bewölkt; mit einem daraus resultierenden höheren Evaporationspotential. In Ostafrika weisen nur 3% der Gesamtfläche höhere Niederschläge auf als die ihnen gegenüberstehende potentielle Evaporation (MORGAN 1973, S.29-47).

 

3 Jahresgang von Temperatur und Niederschlag

Die klimatische Sonderstellung Ostafrikas kommt darin zum Ausdruck, dass bereits nahe dem Äquator im nördlichen Kenya der Jahresniederschlag auf unter 200 mm pro Jahr zurückgeht und von Halbwüsten eingenommen wird, obwohl seiner planetarischen Lage nach, Ostafrika mit seinem südlichen Teil zu den immerfeuchten inneren Tropen und mit seinem nördlichen Teil zu den wechselfeuchten äußeren Tropen zählt. TREWARTHA (1981) spricht zu Recht von der “most impressive climatic anomaly in all of Africa“.

Im Jahresgang des Niederschlags können im äquatorialen Kernraum Ostafrikas deutlich vier hygrische Jahreszeiten unterschieden werden:

-         eine kurze Trockenzeit im Januar und Februar; auch „Gilal“ genannt,

-         eine lange Regenzeit von März bis Mai (long rains); auch „Gu“ genannt,

-         eine lange Trockenzeit von Juni bis September; auch „Hagai“ oder „Harat“ genannt,

-         eine kurze Regenzeit von Oktober bis Dezember (short rains); auch „Der“ genannt.

 

Die Witterungsvorgänge in den Tropen werden von der Passatzirkulation bestimmt. Sie ist am ursprünglichsten auf den Ozeanen ausgebildet. Auf den Festländern verursacht die Erwärmung eine starke turbulente Durchmischung und Labilisierung der feuchten Luft – verstärkt durch feuchtadiabatische Vorgänge -, bei der weitere Energien durch Kondensationswärme freigesetzt werden.

Das Wettergeschehen im Bereich der innertropischen Konvergenzzone wird durch Zenitalniederschläge bestimmt. Sie haben jedoch vielfache Erscheinungsformen. Einfache Konvektionszellen bilden Cumulus congestus-Wolken oder Cumulonimbus-Wolken von ca. 2 bis 10 km Durchmesser. Sie treten vorwiegend am Rande der Konvergenzzone im Bereich der durchbrochenen Passatinversion auf und entladen sich in kurzfristigen, heftigen, schauerartigen Regengüssen, die nicht immer gewittrig sein müssen.

Das innertropische Konvergenzgebiet ist aber nicht frei von Strömungsstörungen. Die sich an ihnen bildenden Gewitterzellen bewegen sich in einer monsunartigen Westströmung. Dabei sorgen sie für großen Regenreichtum. Die Ursache dafür kann nicht nur durch die Küstenlage oder die dahinter aufragenden Berge als Luv-Effekt begründet werden. Vielmehr bewirkt die Coriolis-Kraft bereits unmittelbar nördlich und südlich des Äquators bei niedrigem Bodendruck konvergierende und in der Höhe divergierende Strömungen mit Hebungstendenz, welche die Niederschläge verursachen. Bei Meeresbuchten kommt der nächtliche Effekt konvergierender Landwinde hinzu, der über See dichte Bewölkung mit starken Regenfällen hervorruft (LAUER 1994).

Die „kritischen“ Monate sind Januar, April, Juli und Oktober, an denen die in Ostafrika vorherrschenden „vier Jahreszeiten“, oder klimatische Phasen, noch am besten erklärt werden können (MORGAN 1973, S.29-47).

Januar

Zwischen Dezember und Februar ist das nordhemisphärische Subtropenhoch am Wendekreis kräftig ausgebildet. Besonders beständig ist es über der Arabischen Halbinsel im Bereich des Wendekreises. Bodennah weht aus dem Arabienhoch der Nordostpassat aus, der bei durchgehender Druckabnahme über den Äquator hinweg verlängert wird und bis in das südsommerliche Hitzetief bei 10-15° S reicht. Auf der Nordhemisphäre ist der Nordostpassat einer Flächendivergenz unterworfen und deswegen wie alle Passate stabil geschichtet. An der ostsomalischen Küste weht der Nordostpassat dann küstenparallel, so dass als Folge der Reibungsdifferenz zwischen Wasser und Land eine Reibungsdivergenz entsteht, die eine ablandige Komponente im unteren Windfeld hervorruft. Alle diese Faktoren bedingen mit der hohen Beständigkeit, der großen Geschwindigkeit und der sehr stabilen Schichtung der Nordostpassat-Strömung die generelle Trockenheit zwischen Dezember und Februar (à “equatorial drift“).

April

Mit dem Entfallen der Coriolis-Beschleunigung am Äquator dreht der Nordostpassat in eine mehr nördliche Richtung. Die Senke des Lake Turkana liegt dabei im Lee des Hochlandes von Äthiopien. Die Passatinversion bleibt aber über dem ostafrikanischen Bergland erhalten und wird oft durch Stratocumulus-Bewölkung angezeigt. Ab etwa 10° S erfolgt bei erneut wirksam werdender Coriolis-Beschleunigung ein Umlenken in einen NNW-Wind. Die Flächenkonvergenz, die Feuchteanreicherung der Luftmassen über den äquatorialen Wäldern, die Labilisierung in Hitzetiefs, deren Ausbildung über Südtansania mit dem Zenitstand der Sonne einhergeht, und schließlich die Strömungskonvergenzen mit dem Südostpassat des Indischen Ozeans im Süden (ITCZ) einerseits, mit den „Kongo“-Luftmassen des Südwestmonsuns im Westen andererseits, führen zur südsommerlichen Regenzeit von März bis Mai (à“equatorial duct“).

Juli

Weniger offensichtlich als im Nordwinter sind die Ursachen der Trockenheit im Nordsommer, während der Zeit des Südostpassats von Mai/Juni bis September. Für den Nordsommer ist das randtropische Sommerregenregime mit Zenitalregenzeit von Juni bis August/September charakteristisch. Das Horn von Afrika gerät in den Einflussbereich des Monsuntiefs über dem Persischen Golf und Indien. Letzteres bedingt ein sehr kräftiges Druckgefälle zwischen Ostafrika und dem Persischen Golf, dessen Stärke nach Nordosten zunimmt. Das Monsuntief lenkt den Südostpassat der Südhemisphäre zum Südwestmonsun um.

Der Südwestmonsun unterliegt gleich mehreren Divergenzeffekten. Zum einen bewirkt das zum Kern des Monsuntiefs über Südasien hin zunehmende Druckgefälle eine Beständigkeits- und Geschwindigkeitszunahme des Monsuns, je mehr er sich dem Zentrum des Tiefs nähert. Zum zweiten ist die Monsunströmung weitgehend küstenparallel. Die geringere Reibung über dem Meer schafft eine ablandige Windkomponente, die ihrerseits eine Reibungsdivergenz über der Küste verursacht. Die ablandigen Winde wiederum bewirken ein Aufquellen von kaltem Tiefenwasser vor der Küste. Bei etwa 10° N werden dort im Juli 19 °C Wassertemperatur registriert, während im Roten Meer gleichzeitig 30 °C gemessen werden. Das kalte Auftriebswasser stabilisiert die Inversion und verstärkt noch das Hoch durch die antizyklonale Drehrichtung des Somalistroms. Das schmale Band hoher Windgeschwindigkeit liegt über Ostkenya und Somalia und wird nach seinem Entdecker als „Findlater-Jet“ oder allgemein als „Somali-Jet“ bezeichnet. Ein weiterer Divergenzeffekt kommt durch das Hochland von Äthiopien zustande. Es wirkt als hochgelegene Heizfläche und verstärkt die tagesperiodischen Talwinde zur Sturmstärke. Diese Superposition von Divergenzeffekten verursachen die wüstenhafte und nach Nordosten hin zunehmende Trockenheit des Horns von Afrika.

Oktober

Wenn die Sonne nach Süden zieht, liegt die Innertropische Tiefdruckrinne wieder über dem Äquator, was die zweite „Regenzeit“ hervorruft.

Die vorgestellten Jahreszeiten können nur als Haupttendenzen gelten. Ohnehin zeichnet sich die Region dadurch aus, dass sich die spärlichen Niederschläge gerade auf die Übergangsjahreszeiten „Gu“ und „Der“ konzentrieren, die auch im äquatorialen Ostafrika die Hauptmengen liefern, während Winter und (auffallenderweise) auch der Sommer vielfach ganz trocken sind. Letztere Anomalie muss besonders hervorgehoben werden: nirgends sonst gibt es im Gürtel der „tropischen Zenitalregen“ auf der Nordhalbkugel eine Trockenzeit im Juli/August.

 

4 Klimaregionen

Wenn Niederschläge der signifikanteste Faktor für das ostafrikanische Klima sind, so folgt daraus, dass sie auch die primäre Basis für Klimaklassifikationen sein müssen. Dabei sind nicht nur die totalen Niederschlagsmengen von Wichtigkeit, sondern auch ihre Verteilung und Intensität über das Jahr.

 

4.1 Regenwaldklimate

Der immergrüne Regenwald des heißen Tieflandes mit bis zu vier Stockwerken ist in Ostafrika nur in kleinen Arealen vertreten: Am jeweils östlichen Fuße des Usambara-, Unguru- und Uluguru-Gebirges (LAUER 1951, S.287), sowie in Uganda und in Westkenya (Kakamega Forest).

Vom Nordufer des Lake Viktoria bis zu den Kigezi-Hochländern im Westen und den kenyanischen Hochländern im Osten gibt es keine markante Trockenzeit und in 11-12 Monaten im Jahr liegen die Niederschläge bei mehr als 50 mm. Die jährlichen Gesamtniederschläge liegen bei über 2000 mm im Kakamega Forest. Beträchtliche Reste von tropischem Regenwald sind hier zu finden, aber extensiver Holzeinschlag zur Kultivierung der Flächen hat teilweise eine angehende Savannisierung hervorgerufen (MORGAN 1973, S.29-47).

Sonst tritt der immerfeuchte Wald nur als Bergregen-, vorwiegend als Höhen- oder Nebelwald in den Hochlagen der ostafrikanischen Gebirge (> 1800 m) auf, mit einer nach Westen zu immer höheren Untergrenze. Die Nebelwälder mit ihren charakteristischen immergrünen Kugelschirmkronen und ihrem dichten Behang von Bartflechten sind der Wetterseite (Südosten), dem dauernd Feuchtigkeit bringenden SE-Passat zugewandt (LAUER 1951, S.287).

 

4.2 Feuchtwaldklimate

Reste ehemaliger Feuchtwälder findet man in Uganda und im Küstentiefland von Kenya (z.B. im Witu Forest oder in den Shimba Hills) sowie in Tansania.

 

4.3 Savannenklimate

Mit Einsetzen des deutlich ausgeprägten periodisch feuchten Tropenklimas kann der üppige immergrüne Regen-, Berg- und Höhenwald sowie der Feuchtwald nicht mehr existieren. Hier beginnt der sog. Graslandgürtel (Savannen), der in Ostafrika den weitesten Raum einnimmt. Neben der klimatischen Abstufung in Feucht-, Trocken- und Dornsavanne trifft man die verschiedensten Varianten mit bestimmten Lebensformen von den Gehölzen bis zur reinen Grasflur.

 

4.3.1 Feuchtsavannen

Die Feuchtsavannen treten in Ostafrika fast ausschließlich im Bereich zwischen 9 und 7 humiden Monaten auf. Zunächst setzten sie sich gegen den Regenwald sehr deutlich dadurch ab, dass der Laubfall der Bäume (z.B. Combretum, Butyrospermum ssp.) einheitlich in der zunächst kurzen, ariden Zeit auftritt. Die vorhandenen Grasfluren werden im allgemeinen übermannshoch (Hyparrhenia ssp.). Zu den Feuchtsavannen, die sich auf Gebiete mit dauernd fließenden Flüssen beschränken, sind neben den monsunwaldartigen Savannenwäldern auch die ausgedehnten Hochweiden zu rechnen.

 

4.3.2 Trockensavannen

Den weitaus größten Raum nehmen in Afrika die Trockensavannen ein. Unter Trockensavanne werden die Vegetationsformen des tropischen Graslandgürtels mit 5-6 humiden Monaten verstanden. Bei bimarkaler Niederschlagsverteilung sind durchschnittlich 200 – 1000 mm Jahresniederschlag gegeben (JÄTZOLD 1989).

Auf den subfossilen Böden und dem Rumpfstück Tansanias sind vor allem die  großen regengrünen Trockenwälder (Miombowälder in Tansania) charakteristisch. Große Teile der Trockensavanne und Trockenwälder sind relativ siedlungsleer, da sie von der Tse-Tse-Fliege heimgesucht werden (MORGAN 1973, S.29-47). Die Dornlosigkeit der Miombowälder hebt sie von den noch trockeneren Formationen der Dornwälder ab.

 

4.3.3 Dornsavannen

Fehlt die Bedornung der Bäume in der Trockensavanne noch weitgehend, so ist sie in der danach benannten Dornsavanne ein besonderes Merkmal. Sukkulenzerscheinungen an Bäumen und Sträuchern treten immer deutlicher zutage, je trockener das Klima wird, d.h. je länger die aride Zeit anhält. Das Gras wird kaum kniehoch und steht nur in einzelnen Büscheln (LAUER 1951, S. 292). Dieses Akazien-Buschland ist von Nomaden (vor allem der Massai) bewohnt. Es schließt die wasserarme nyika ein, die im Küstenhinterland (Kenyas) rund um den ehemaligen Verbindungsweg der Händler und Entdecker zwischen der Küste und den Hochländern liegt (MORGAN 1973, S.29-47).

Die Dornsavannen des nordöstlichen Ostafrika weisen vier, meist aber nur drei humide Monate auf (LAUER 1951, S. 292).

 

4.4 Halbwüstenklimate

Ein großes Gebiet im Norden und Nordosten Kenyas erhält so geringe Niederschläge, dass sich Halbwüsten ausbilden. Der Hauptteil des Gebietes kann nur 100 bis 250 mm Regen im Jahr aufweisen, obgleich diese unsicher sind. Auch wenn hier zwei Niederschlagsmaxima gemessen werden können, so weisen nur April und Mai 50 mm oder mehr auf. Im November und Dezember sind die Niederschläge sehr unregelmäßig und lokale Stürme können die Straßen unpassierbar machen (MORGAN 1973, S.29-47).

Die Halbwüsten sind als Strauch- und Zwergstrauchhalbwüsten ausgebildet; um den Lake Turkana und die Chalbi Desert können sie Randwüstencharakter annehmen.

Vollwüsten im engeren Sinne findet man in Ostafrika nicht (LAUER 1951, S. 292).

 

4.5 Höhenklimate

Die Einwirkung des Reliefs und der Lage kreiert ein kompliziertes Muster an Klimaten in den Hochländern. Mit zunehmender Höhe sinken die Temperaturen und die Niederschläge steigen in Relation zur Evaporation an. Die jährlichen Niederschläge steigen von 750 mm an den Rändern und in Teilen des Rift Valley bis über 2000 mm an exponierten Hängen der Riesenvulkane und der Aberdares. In den Hochländern gibt es zwei oder drei Regenzeiten. Im Westen sowie im Bereich des Grabens und der Riesenvulkane gibt es drei Niederschlagsmaxima, während die Niederschlagsperioden im Osten durch eine Trockenzeit in „long rains“ und „short rains“ getrennt sind, die beide jeweils etwa 2-3 Monate dauern. Ursprünglich waren große Teile der Hochländer von Wald oder Grasland bedeckt. Einen ähnlichen klimatischen Charakter weisen die Vulkanberge Nord-Tansanias auf, sowie die Hochländer in SW-Uganda (MORGAN 1973, S.29-47).

 

5 Die Höhenklimate Ostafrikas (nach Jätzold)

„Das Ostafrikanische Hochland ist voller klimatischer Gegensätze auf engstem Raum.“ (JÄTZOLD 1981). JÄTZOLD hat in seine klimatische Unterteilung Ostafrikas dem Aspekt der „wirtschaftenden Bevölkerung“ einen besonderen Stellenwert zugeordnet und sehr detailliert die thermischen und hygrischen Klimatypen und –subtypen  der Tropen untergliedert, die sich auch auf dem Kartenblatt E5 des Ostafrika-Kartenwerks wiederfinden, in (hier nur ein Ausschnitt der Grobgliederung):

 

1.Die heißen tropischen Tieflandsklimate  t1

Sie entsprechen etwa der “tierra caliente“ in Ibero-Amerika und liegen zwischen 0 und 1000 m über NN. Sie nehmen fast zwei Drittel der Staatsfläche Kenyas ein. Die Monatsmittel schwanken weniger als 5° C im Jahr. Diese Klimate reichen am Lake Viktoria und bei Isiolo bis über 1100 m hinauf. Die jährliche Durchschnittstemperaturen betragen mehr als 23 °C.

 

2. Die temperierten tropischen Höhenklimate  t2

Sie entsprechen der “tierra templada“ in Iberoamerika und befinden sich auf einer Höhe NN von ca. 1000 bis 2000 m. Sie bilden in Ostafrika die wichtigste Wirtschaftszone und dominieren deshalb auf dem Kartenblatt, weil es bewusst so geschnitten wurde, um sie zu erfassen. Hier wachsen wichtige Cashcrops wie Kaffee und Tee. Die Temperaturen und damit die Höhengrenzen sind je nach Rand- oder Binnenlage verschieden, liegen allerdings im jährlichen Durchschnitt bei ca. 18-23 °C.

 

3. Die kühlen tropischen Höhenklimate  t3

Sie entsprechen ungefähr der “tierra fria“ in Iberoamerika. Ihre Höhenstufe reicht in Ostafrika aufgrund der geringeren Massenerhebung gegenüber den Anden jedoch nicht so weit hinauf, die Obergrenze liegt ungefähr bei 3000 bis 3200 m. Die Untergrenze schwankt in den inneren Tropen zwischen 1800 und 2300 m. Die jährlichen Durchschnittstemperaturen liegen in dieser Höhenstufe zwischen ca. 11 und 18 °C; nächtliche Fröste nehmen nach oben hin zu.

 

4. Die kalten tropischen Höhenklimate  t4

Bilden Fröste in der kühlen Höhenstufe t3 noch die Ausnahme, so sind sie in dem kalten Höhenklima t4 die Regel, weshalb es der “tierra helada“, dem „Frostland“ in Iberoamerika, entspricht. Es beginnt an der Waldgrenze, die im äquatorialen Ostafrika durchschnittlich bei ca. 3200 m liegt, und erstreckt sich bergwärts über die Höhengrasländer, Hochstaudenfluren und Zwergstrauchgesellschaften bis an die Zone nackten Frostschutts, die sich am Mount Kenya schon bei 4300 m zwischen die letzten Vegetationsausläufer schiebt, die bei 4500 m enden. Damit umfasst t4 die beweidungsfähigen Flächen in tropischen Hochgebirgen. Die Jahresmitteltemperaturen, die zur Abgrenzung gewählt wurden, liegen unter 11° C und über 2° C. Das sind Mittelwerte, denn selbstverständlich gibt es lokal viele Abweichungen der obengenannten Grenzen von diesen Isothermen, denn es spielen noch andere Faktoren eine Rolle.

 

5. Die tropischen Eis-Höhenklimate  t5

Oberhalb der Grenze der Blütenpflanzen breitet sich Frostschutt (mit Bodeneis), Firn oder Gletschereis aus. Solche dem tropischen Eisklima zuzuschreibenden Erscheinungen sind lediglich auf dem Mount Kenya, dem Kilimanjaro und dem Ruwenzori vertreten. Die Untergrenze des t5-Klimas liegt dort bei 4500 m, die Schneegrenze mit rund 4800 m nur wenig höher. Man könnte geneigt sein, diesen Haupttyp thermisch nach Frostschuttklima und dem Klima des ewigen Schnees, der “tierra nevada“, zu untergliedern, aber dieser Unterschied ist in erster Linie hygrisch bedingt: die Nivalität hängt unterhalb der Mitteltemperatur von 2° C primär von der fallenden Schneemenge ab.

 

6 Schlussbemerkung

In den tropischen Tiefländern gebührt dem Niederschlag unbestritten der Vorrang vor der kaum schwankenden und für die Vegetation stets ausreichenden Wärme (Temperatur). Eine Differenzierung des Tropenklimas ergibt sich demnach vorwiegend durch den Niederschlag. Da mit der Verkürzung der Regenzeitdauer von den inneren zu den äußeren Tropen auch die Intensität der Niederschläge nachlässt, vereinfacht sich das Klimagefüge für gewöhnlich erheblich.

Ostafrika bildet unter den äquatornahen Bereichen der Erde bezüglich seiner klimatischen Gegebenheiten eine gewisse Ausnahme. An Stelle eines feuchten Tropenlandes trifft man vorwiegend auf trockene Landschaften. Die Ursachen dafür liegen in der atmosphärischen Zirkulation, in besonderen Luftdruck- und Windverhältnissen. Seine Lage zu der großen asiatischen Landmasse verursacht sehr regelmäßige, starke und daher sehr trockene Passate bzw. Monsune. Die zahlreichen klimatischen Eigenheiten auf kleinem Raum sind aber bedingt durch seine Oberflächengestalt. Das bewegte Relief, die Horst- und Grabenstruktur, das Aufragen einzelner Vulkanberge und die vielen Seen (allen voran der Lake Victoria) verursachen rasche Wechsel des Klimas. Dabei spielen Höhenlage und Exposition zum Wind die wichtigste Rolle. Durch diese klimatischen Gegebenheiten hat Ostafrika teil an allen klimatischen Vegetationszonen bzw. –stufen der Tropen, mit Ausnahme der Wüsten im engeren Sinne und ausgesprochenen Paramos.

 

7 Literatur

ASRES, T. (1996): Agroecological Zones of Southwest Ethiopia. – (=Materialien zur Ostafrika-Forschung, 13), Trier, 123-209

FLOHN, H. (1964): Über die Ursachen der Aridität Nordost-Afrikas. – (=Würzburger Geographische Arbeiten, 12), Würzburg, 25-44

GRIFFITHS, J.F. (1972): Eastern Africa. In: GRIFFITH, J.F. (ed.): Climates of Africa. – 313-347

JÄTZOLD, R. (1977): Das Klima. In: LEIFER, W. (ed.): Kenya.- Tübingen, 30-50

JÄTZOLD, R. (1981): Klimageographie Ostafrika. – (=Afrika Kartenwerk, Beiheft E 5), Berlin

JÄTZOLD, R. (1989): Climatology of Samburu District. – Manuskript für GTZ/Range Management Handbook, Nairobi

JÄTZOLD, R. (1989): Humide Geozonen. –Trier, 53-63 (unveröffentl. Vorlesungsskript)

LAUER, W. (1951): Hygrische Klimate und Vegetationszonen der Tropen mit besonderer Berücksichtigung Ostafrikas. – Erdkunde, 5, 284-293

LAUER, W. (1994): Klimatologie. – Braunschweig

LESER, H. (Hrsg. 1998): DIERCKE-Wörterbuch Allgemeine Geographie. – 10.Aufl., Braunschweig

MORGAN, W.T.W. (1973): East Africa. – London, Nairobi, 29-47

PAULY, M. (1993): Dürrefrühwarnsysteme und nationales Dürremanagement am Beispiel der Trockenräume Nord- und Südostkenyas – welchen Beitrag kann die statistische Analyse von Niederschlagsdaten leisten? – (=Materialien zur Ostafrika-Forschung, 11), Trier, 31-37

TREWARTHA, G.T. (1981): The earth’s problem climates. – 2. Aufl., Wisconsin

WEISCHET, W. (1965): Der tropisch konvektive und außertropisch advektive Typ der vertikalen Niederschlagsverteilung. – Erdkunde, 19, 6-14

WEISCHET, W. (1988): Einführung in die Allgemeine Klimatologie. Physikalische und meteorologische Grundlagen. – 2.Aufl., Stuttgart

WINIGER, M. (1979): Bodentemperaturen und Niederschlag als Indikatoren einer klimatisch-ökologischen Gliederung tropischer Gebirgsräume. – (=Geomethodica, 4), Basel, 121-150

 

 

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