Der Viktoriasee

von Barbara Rasche

Inhalt

1. Einleitung

2. Geschichtlicher Hintergrund  

    2.1. Geologie

    2.2. Klima

    2.3. Vegetation

    2.4. Heutige Stellung des Victoria-Sees 

        2.4.1. Physische Geographie

        2.4.2. Klima

3. Hydrologie und Limnologie des Victoria-Sees

    3.1. Wasserspiegelschwankungen

    3.2. Sedimente

    3.3. Biotische Umwelt

        3.3.1. Phytoplankton

        3.3.2. Zooplankton

        3.3.3. Makrophyten

4. Fischerei

5. Aktuelle Umweltproblematik

6. Nachwort

7. Literatur

1. Einleitung

Der Viktoria-See ist mit einer Fläche von 68.800km2 der größte See Afrikas. Seine ökonomische und ökologische Bedeutung für die in seiner Nachbarschaft lebenden Menschen steht außer Frage.

Der Viktoria-See ist für die angrenzenden Regionen die wichtigste Frischwasser-Reserve und Protein-Quelle. Der See hat auch einen sehr hohen wissenschaftlichen Wert aufgrund seiner hohen Biodiversität bzw. in Bezug auf seine außergewöhnliche Tierwelt in und außerhalb des Sees. Aufgrund ökologischer Beeinträchtigungen durch Industrie und Landwirtschaft ist diese Ressource stark gefährdet. Eutrophierung und Verschmutzung durch industrielle und landwirtschaftliche Einflüsse zerstören dieses wichtige Ökosystem.

Auch in ökonomischer Hinsicht ist der Viktoria-See von sehr großer Bedeutung. Besonders dem Fischfang kommt hier eine sehr bedeutende Rolle zu, da ein sehr großer Teil der Fischfänge ins Ausland exportiert wird und somit Devisen in die angrenzenden Länder bringt.

Die große Wasserfläche des Sees führt zu einer eigenständigen Luft- und Feuchtigkeitszirkulation in dieser Region und ist deshalb für das dortige Klimageschehen von sehr großer Bedeutung.

Die nachfolgende Arbeit versucht, die Geschichte des Viktoria-Sees von der Vergangenheit bis heute in Hinblick auf ökologische und ökonomische Aspekte und deren Auswirkungen stärker zu durchleuchten.

2. Geschichtlicher Hintergrund

2.1. Geologie

Lake Victoria ist einer der ältesten Seen auf der Erde. Die Landschaft Afrikas und somit auch das Gebiet um den Viktoria-See wurde während der letzten Jahrtausende ständig durch Erdbeben, Vulkanismus, klimatische Veränderungen und plattentektonische Bewegungen verändert.

Während des Miozän , also etwa vor 25 Millionen Jahren, veränderte sich das Abflußmuster der Flüsse aufgrund vulkanischer Tätigkeit und der Hebung der Landmassen. Die Flüsse erodierten so allmählich die alten Landmassen und Abflußnetze von den höhergelegenen Regionen in östliche und westliche Richtung. Durch die Hebung während des Miozäns wurde das Gebiet zwischen Eritrea und Zambezi um mehr als 1000 m gehoben. Die Ränder des Gebietes hoben sich weiter und formten das Great Rift Valley. Durch tektonische Aktivitäten rund um das Rift Valley entstanden Risse in der Erdkruste, die bis zu ein Tausend Meter tief sein konnten. Die durch die Riftbildung eingesunkenen Grabenschollen füllten sich mit der Zeit mit Wasser. Auf diesem Weg  sind alle großen afrikanischen Seen entstanden. Abbildung 1 zeigt die Lage der Seen in Bezug zum Great Rift Valley. Ein großer Teil der Seen ist im Bereich der Gräben zu finden. Nur der Viktoria-See und noch weitere, kleinere Seen liegen auf einer Ebene, die sich zwischen dem ostafrikanischen und zentralafrikanischen Graben ausgebildet hat. (FUCHS & ALTHERR 1990; RUUD 1995)

Der östliche Graben reicht bis nach Israel und beinhaltet zahlreiche Seen wie die äthiopischen Riftseen, Lake Turkana und einige Soda-Seen in Kenya und Tanzania. Das westliche Rift Valley enthält die Seen Mobutu, Edward, George, Kivu, Malawi und einige andere.

Die Ebene des Viktoria-Sees entstand durch das stetige Absacken der Mitte des sich hebenden Gebietes. Die Absenkung des Viktoria-Beckens zeigt sich an fossilen Stränden, die entlang der südlichen und nördlichen Küste des Sees entdeckt wurden. Sie liegen in etwa 3-4m, 12-14m und 18-20m über dem heutigen Wasserspiegel. Diese Strandlinien sind Zeugen von tektonischen Bewegungen und zeigen die Entwicklung des Sees in den letzten 12.000 Jahren. Die Strandlinien zeigen auch Erosionspausen des Viktoria-Nils. Bohruntersuchungen des Sees zeigten, daß dieser bis 14.730 B.P. bis 12.000 B.P keinen Ausfluß hatte, bis er dann überflutete. Etwa 14.000 B.P. lag der Wasserspiegel fast 27m niedriger als der im Jahre 1969. Spätere Bohrungen zeigten sogar, daß der Wasserspiegel um fast 75m gefallen sein mußte. Von 12.000 bis 10.000 B.P. hatte der See einen Ausfluß und um 10.000 B.P. war er wieder geschlossen, was Untersuchungen im seichten Wasser bewiesen. Ab dieser Zeit diente der Viktoria-Nil als Abfluß. (RUUD 1995)

Abb.1: Ostafrika mit dem Great Rift Valley und den großen Seen

Quelle: RUUD 1995, S.26

Anfang des Miozäns lagen einige Seen in der Nachbarschaft des Viktoria-Sees. WAYLAND (1931) konnte aufgrund eines fossilen Fischfundes auf der Rusinga-Insel nachweisen, daß ein See oder mehrere kleinere Seen existiert haben müssen, die in der nordöstlichen Ecke des heutigen Victoria-Sees lagen. Diese Seen trockneten entweder aus oder flossen während des Miozäns zusammen. Leider ist es nicht möglich, ein klares Bild der Verhältnisse und Vorgänge zwischen der Zeit des Niedergangs des Karunga-Sees (spätes Miozän, 16,5 Millionen Jahre) und der Geburt des Viktoria-Sees (mittleres Pleistozän, 500.000 Jahre) zu bekommen. Eine Theorie über die Genese des Viktoria-Sees lautet, daß die Mulde des Viktoria-Sees in einem alten Ost-West-Abflußsystem lag, da die alten Flußsysteme vom Miozän an bis hin zum Pleistozän datiert werden. Seinen  Ursprung hat der Viktoria-See also der Hebung des Gebietes zu verdanken. Die westliche Grenze bildet heute der zentralafrikanische Graben. Wann nun genau die Hebung des östlichen Gebietes, also des ostafrikanischen Grabens,  stattgefunden hat, läßt sich nicht mit aller Sicherheit festlegen. Aber gewissen Anzeichen nach muß diese Hebung sich vor etwa 500.000 Jahren vollzogen haben, also in der Mitte des Pleistozäns. Die Anzeichen sind zum einen Seesedimente, die häufig im Westen und Süden des Kagera-Flusses mit einer Entfernung von etwa 100 Kilometern vom heutigen Viktoria-Sees gefunden wurden, und fossile Strände an der Westküste des Sees. Diese Anzeichen repräsentieren also die ‚westliche Phase‘ des Viktoria-Sees. (RUUD 1995)

Eine andere Theorie war, daß der See von einem kesselförmiger Einbruch herrührt und man seine Buchten als radiale Querbrüche ansah. Natürlich kann man nicht ausschließen, daß einige Uferstücke von Bruchstufen herrühren, wie z.B. die Ränder des Kavirondogolfs oder des Spekegolfs. Allerdings zeigen die vielzähligen Buchten und Vorsprünge, daß das Wasser aufgestaut wurde und in die Täler eingedrungen ist. (JAEGER 1949)

Der Katonga- und Kafu-Fluß bildeten den jetzigen Viktoria-See. Durch die Umkehrung des Abflusses formten sie zunächst sumpfartige Seen. Sie bilden heute noch eine sumpfige Wasserscheide, von wo aus Flüsse in beide Richtungen abfließen. Der größte rezente Zufluß des Viktoria-Sees ist der Kagera-Fluß, der wohl auch zur gleichen Zeit wie die beiden anderen Flüsse einer Umkehrung unterlag. (RUUD 1995)

2.2. Klima

Der Viktoria-See unterliegt seit seiner Entstehung starken Wasserschwankungen, die auf tektonische und auch klimatische Veränderungen zurückzuführen sind. In Ostafrika wie auch in den übrigen Teilen der Erde fanden seit Beginn des Pleistozäns starke Klimaschwankungen statt. Allerdings können die klimatischen Schwankungen sehr schwer separat betrachtet werden, da gleichzeitig starke und regelmäßige Erdbewegungen stattfanden. Es gibt Beweise, daß das Klima trockenere Perioden aufwies, die den Wasserspiegel des Viktoria-Sees fallen ließen. Die Informationen sind zwar sehr knapp, aber es ist gelungen, aufgrund von Bohrkernen im Viktoria-Becken an der tiefsten Stelle des Sees eine Rekonstruktion des Klimas während des späten Pleistozäns zu machen. Somit ist es möglich, aufgrund von Sedimentuntersuchungen die Geschichte des Viktoria-Sees der letzten 25.000 Jahre nachzuvollziehen.

Durch diese Studien wurde erkannt, daß das  Klima in den letzten 15.000 Jahren sehr starken Schwankungen unterlag. Die frühere klimatische Geschichte ist weniger bekannt. Es gibt aber Beweise, daß sich das Klima im Südwesten Ugandas vor 42.000 Jahren wiederholt geändert hat. Die besten Studien geben wie schon erwähnt die Bohrungen im Viktoria-See, die folgende Rekonstruktion des Klimas geben:

vor 42.000 B.P.

gleiche klimatischen Bedingungen wie heute

42.000 – 32.000 B.P.

merklich kälter und trockener

21.000 – 12.000 B.P.

merklich kälter und trockener

14.700 – 12.000 B.P.

trocken

12.000 – 10.500 B.P.

mäßig feucht

10.500 – 9.500 B.P.

mäßig trocken

9.500 – 6.500 B.P.

feucht

nach 6.500 B.P.

etwas trockener und/oder mehr saisonal

(In: RUUD 1995, S. 28)

2.3. Vegetation

Um die Vegetationsgeschichte der Viktoria-Ebene nachvollziehen zu können, wurden Pollenanalysen herangezogen. Das Hauptergebnis dieser Untersuchungen ist, daß um die Pilkington Bay   von 13.500 bis 12.500 B.P. Savannenvegetation dominant war. Von 12.000 bis 7.000 B.P. entwickelte sich Wald (immergrün und periodisch), unterbrochen von einer trockeneren Periode um 10.000 B.P.. Nach 6.000 B.P. entwickelte sich der Wald immer mehr zu einer periodischen Ausprägung aufgrund der jährlichen Regenfälle in dieser Region oder durch die Saisonalität der Niederschläge. Während der letzten 3.000 Jahre ging die Waldfläche immer mehr zurück. Gründe dafür sind die Rückgänge der Regenfälle und vor allen Dingen die menschliche Aktivität. (RUUD 1995)

2.4. Heutiger Zustand des Viktoria-Sees

Heute ist der Viktoria-See ein großer, flachgründiger See, der in einer flach gerundeten Ebene liegt und eine Tiefe von maximal 80m aufweist. Charakteristisch für den heutigen Viktoria-See ist die große Anzahl an Inseln und die sehr zerklüftete  Uferlinie, die an vielen Stellen sehr sumpfig ist. Durch das zerklüftete Ufer und die zahlreichen Inseln kommt es zur Ausbildung von flachgründigen Golfen und Buchten. Die Uferregion ist an vielen Stellen mit Cyperus papyrus bewachsen. An anderen Stellen gibt es Sandbereiche oder eher felsige Gebiete. Die folgende Abbildung (Abb.2) zeigt die eben aufgeführten Aspekte: die wichtigsten Golfregionen und Inseln, die wichtigsten Städte um den Viktoria-See. (RUUD 1995)

Abb.2: Karte des Viktoria-Sees heute

Quelle: RUUD 1995, S.34

2.4.1. Physische Geographie

An den Viktoria-See grenzen fünf Länder: Tanzania, Kenya, Uganda, Rwanda und Burundi. Das Einzugsgebiet des Sees beläuft sich auf 194.200 km2 und seine Oberfläche ist 68.800 km2. Die größten Anteile des Sees fallen auf Tanzania (33.700 km2; 49%), Uganda (31.000 km2; 45%) und Kenya (4.1000 km2; 6%). Die geographische Lage des Sees ist 0°20´N – 3°0´S, 31°39´E – 34°53´E und die Höhe über dem Meeresspiegel ist 1134m. Im Norden und Süden ist die Küste sehr unregelmäßig. Im Westen und Osten steigt das Gelände hin zum westlichen und östlichen Graben stark an.

Die Zuflüsse des Viktoria-Sees kommen aus unterschiedlichsten Regionen. Der Hauptzufluß des Sees ist der Kagera River, der aus den Bergen von Rwanda und Burundi kommt. Der Hauptabfluß des Sees ist der Viktoria Nil.

Wie die Abbildung 3 zeigt, liegt der Viktoria-See auf präkambrischen Material. An vier Stellen des Sees akkumulierten quartäre Sedimente, nämlich im Osten des Nyanza Golfs und Speke Golfs, im Süden vom Mwanza Golf und im Norden vom Kagera River. (RUUD 1995)

Abb.3: Geologische Karte von der Viktoria-See-Region

Quelle: RUUD 1995, S.30

2.4.2. Klima

Das Klima der Region wird bestimmt durch die Lage in der tropischen Zone und kann genauer in zwei Klimate untergliedert werden: Im Bereich des ugandischen Teils haben wir ein feuchtes tropisches Klima und im übrigen Bereich ein tropisches Savannen-Klima. In den Bergregionen wird das Klima durch die Höhe gemäßigt.

Nachfolgende Abbildung (Abb.4) zeigt die Stationen, die um den See angelegt wurden, um die klimatischen Bedingungen des Seegebietes näher zu erforschen.

Abb. 4: Die Niederschlagsmuster von acht ausgewählten Stationen rund um den Viktoria-See

Quelle: RUUD 1995, S.31

Anhand von erhobenen Klimadaten zeigt sich, daß das Klima im Bereich des Sees nicht gleichmäßig ist. Es gibt große Unterschiede zwischen den klimatischen Bedingungen auf dem See und im Bereich der Ufer, wo die Stationen aufgebaut sind.

Um nun das Klimageschehen des Viktoria-Sees näher zu beschreiben werden die wichtigsten klimatischen Elemente herangezogen: Temperatur, Niederschlag und Wind.

Temperatur: Die Temperaturen im Bereich des Sees sind einheitlich. Saisonale Unterschiede um den Mittelwert überschreiten nicht 3°C. Der kälteste Monat ist der Juli, der wärmste ist variabel und schwankt zwischen Oktober und Februar.

Niederschlag: Die tropischen Regenfälle sind gebunden an die atmosphärische Tiefdruckrinne, die der Sonne zweimal im Jahr über den Äquator folgt. Somit variieren die Niederschläge saisonal und haben im März bis Mai (Long Rains) und im November bis Dezember (Short Rain) ihre Maxima. Der Short Rains im November und Dezember können allerdings schlechter oder sogar ganz ausfallen, wie es 1927 der Fall war.

Über dem Viktoria-See ist ständig ein tiefer Luftdruck. Luftmassen steigen auf, kondensieren und bilden Niederschlag. Die Niederschlagsverteilung um den Viktoria-See ist auch sehr unterschiedlich. Tabelle 1 zeigt die acht Stationen und deren jährliche Niederschläge. Auffällig ist, daß die höchsten Niederschlagswerte am Nordwestrand des Sees zu finden sind und die niedrigsten Werte auf der gegenüberliegenden Seite, also am östlich-südöstlichen Ufer. (RUUD 1995) Diese Trockenheit ist durch den ‚Föhneffekt‘ auf der Lee-Seite des Ostafrikanischen Grabens zu erklären. Außerdem können die hohen Niederschläge auf der westlichen Seite durch das ‚Überschwappen‘ von Wolkenmassen aus dem Kongo-Becken begründet sein.

Wind: Das Windregime wird bestimmt durch die in Süd-Ost-Richtung wehenden Winde, die von Mai bis Juli am stärksten sind. Allerdings entwickelt sich über dem Viktoria-See kleinräumig eine eigene Luft- und Feuchtigkeitszirkulation.  In der Nacht strömt ein Landwind auf die warme Wasseroberfläche des Viktoria-Sees. An der Westseite des Sees konvergieren diese Luftmassen mit der allgemeinen passatischen Ostströmung. Es kommt zu häufigen nächtlichen Niederschlägen in diesem Gebiet, die laut Tabelle1 bis über 2000mm im

Mittel im Jahr überschreiten können. Am Nachmittag spielt sich ein Ähnliches Phänomen an der Ostseite des Sees ab. Hier konvergieren nun die Seewinde mit dem Passat, wodurch es dann zu einem Aufsteigen der Luftmassen und zu heftigen Niederschlägen kommt. (JÄTZOLD 1981)

Tab.1: Statistik der mittleren Jahresniederschläge für acht Stationen um den Viktoria-See während des Zeitraumes von 1956-1978

Quelle: RUUD 1995, S.33

3. Hydrologie und Limnologie des Viktoria-Sees

Der Viktoria-See hat während seiner gesamten Geschichte sehr häufige Wasserspiegelschwankungen durchlaufen. Noch Anfang der 60er Jahre stieg der Wasserspiegel um etwa 2m. Drei große Forschungsinstitute, die um den Viktoria-See plaziert sind, beschäftigen sich mit limnologischen und hydrologischen Studien über den See. Im folgenden werden konkretere Angaben und Abbildungen folgen, die von diesen Instituten erhoben wurden. (RUUD 1995)

3.1. Jährliche Wasserspiegelschwankungen

Durch den Bau des Owen-Falls-Damm im Jahre 1954 konnte der Ausfluß des Sees gut kontrolliert werden. Der Wasserspiegel kann somit auf einem Stand gehalten werden, der vorher durch Berechnungen und Modelle erfaßt wurde. Die Zuflüsse des Viktoria-Sees beschränken sich auf vielzählige, kleinere Flüsse. Der größte von ihnen ist der Kagera River, der auch den größten Anteil (9474 × 106m³; 63%) hat. Die jährlichen Zuflußraten der Flüsse variieren sehr stark von Jahr zu Jahr. Ein Beispiel dafür ist der Sondu River, der im Jahre 1969 eine Zuflußmenge von 845 × 106m³ hatte; 1970 lag die Zuflußrate bei 1961 × 106m³.

Der Hauptgrund für die starken Wasserspiegelschwankungen sind die jährlich stark variierenden Niederschläge in diesem Gebiet. In der folgenden Abbildungen (Abb.5) zeigen sich die Wasserspiegelschwankungen vom Jahre 1900 bis 1982.

Abb. 5: Wasserspiegel des Viktoria-Sees zwischen 1900 und 1982 im Bereich Jinja

Quelle: RUUD 1995, S.44

Diese Abbildung zeigt, daß sich von 1900 bis 1927 die Wasserspiegelhöchststände in einem Zyklus von zehn bis elf Jahren einstellt. Ab 1927 verkürzt sich dieser Rhythmus auf fünf Jahre. Ab 1961 trat eine erhebliche Veränderung ein. Der Wasserspiegel stieg in wenigen Monaten auf über einen Meter und 1964 wurde der maximalste Wasserspiegelstand seit den Messungen erreicht. Er lag über zwei Meter über dem Stand von 1961 und etwa 1,4m über dem von 1906. Von 1964 an blieb der Wasserspiegel stetig ein Meter über dem Stand von 1961. Wenn man aber die Entwicklung im Ganzen betrachtet zeigt sich, daß dieser Sprung von 1961 bis 1964 nicht einzigartig war, sondern daß sich solche Änderungen schon in den Jahrzehnten zuvor zugetragen haben. Diese Wasserspiegelschwankungen des Viktoria-Sees und deren anderen ostafrikanischen Seen wurden häufig zur Beweisfindung einer Klimaveränderung verwendet.

Neben den jährlichen Schwankungen treten auch saisonale Schwankungen auf, die dem Niederschlagsmuster in diesem Gebiet folgen. Der maximale Wasserstand wird im Mai-Juni erreicht, dann, wenn die Regenzeit zu Ende geht. Im Oktober findet man das Minimum. In manchen Jahren wird im Dezember ein zweites, aber kleineres Maximum erreicht. In der übrigen Zeit schwankt der Wasserstand zwischen 20 und 40cm, maximal um 70cm. (RUUD 1995)

Abbildung 6 zeigt den Zusammenhang zwischen Wasserständen des Viktoria-Sees und dem Niederschlagsmuster von 1938 bis 1964. Es zeigt sich, wie schon erwähnt, eine hohe Korrelation. Auffällig ist, daß im Jahre 1961 die Niederschlagskurve stärker ansteigt als die Wasserstandskurve. Diese Tatsache hängt damit zusammen, daß durch den Owen-Falls-Damm eine erhöhte Menge an Seewasser abgelassen wurde. (WEIGT 1971)

Abb.6: Wasserstände des Viktoria-Sees im Vergleich zu den Niederschlagsschwankungen in seinem Einzugsbereich für die Jahre 1938 bis 1964

Quelle: WEIGT 1971, S.343

Zusammenfassend läßt sich folgende Wasserbilanz festhalten:

Zufluß

18 × 109m³/year

Abfluß

23,4 × 109m³/year

Niederschläge über dem See

100 × 109m³/year

Evaporation

100 × 109m³/year

(In: RUUD 1995)

3.2. Sedimente

Die ersten Untersuchungen über den Untergrund des Viktoria-Sees machten GRAHAM und WORTHINGTON in den Jahren 1927 und 1928. Sie fanden heraus, daß fast der gesamte Untergrund mit einem grünlich-schwarzen Schlamm überdeckt ist, sog Diatomeenschlamm, also eine limnische Ablagerung bestehend aus Resten von Kieselalgen. Im Westen des Sees in der Nähe von Bukoba fanden sie zwei sandige Bereiche, die nach Norden hin in tieferen Bereichen in grünen oder blauen Ton wechseln.

Von 1949 an führte die East African Fisheries Research Organization und die East African Freshwater Fisheries Research Organization (EAFRO/EAFFRO) zahlreiche Studien über Benthos und Fische durch, wobei die Verbreitung und Zusammensetzung Aufschlüsse über den Untergrund geben sollte.

Heute sind die schon angesprochenen Forschungsinstitute  im Bereich der Sedimentstudien tätig. Die neuesten Erkenntnisse brachten seismische Untersuchungen, die bis 1800km gemacht wurden. Dieses System war sehr effektiv für die Untersuchungen im Bereich der lakustrischen Ablagerungen, der Seeuntergrundstrukturen, der Sedimentverteilung und der Tiefenverteilung des Sees. Ergebnis dieser Studien war, daß sich im späten Pleistozän und Holozän eine etwa acht Meter mächtige, feinkörnige Sedimentschicht gebildet hat, die überlagert wurden von ausgetrockneten Seesedimenten, alluvialem Material und vulkanischen Aschen. Die Verteilung der Sedimente spiegelt auch gleichzeitig die Bathymetrie wieder. Dickere Sedimetschichten sind wahrscheinlich im Bereich von bathymetrischen Depressionen zu finden oder in küstennahen Bereichen.

Der Untergrund des Viktoria-Sees wurde weiterhin im Rahmen des Lake Victoria Research Projects mit Hilfe eines ferngesteuerten Fahrzeuges untersucht, um die Bohrungen auf dem Seeboden zu kontrollieren.

Die Sedimentstudien der EAFRO wurden auch für die Bestimmung der Produktivität des Viktoria-Sees herangezogen. Es kam heraus, daß der Abbau der anfallenden organischen Substanzen, die sich auf dem Seeboden ablagern, aufgrund des Sauerstoffmangels und der fehlenden abbauenden Organismen sehr langsam vonstatten geht, was einer der größten limitierenden Faktoren für die Produktivität bedeutet.

Über die Jahrtausende wurden im Seebecken Sedimente akkumuliert, bestehend aus organischen und anorganischen Substanzen wie Pollen, Diatomeen und anorganische Verbindungen. In der Paläolimnologie werden Sedimente zur Rekonstruktion früherer Umweltbedingungen in aquatischen Systemen herangezogen. Auch im Viktoria-See wurden paläolimnologische Untersuchungen durchgeführt, um klimatische Veränderungen interpretieren zu können und die Geschichte des Sees zu beschreiben. KENDALL führte 1969 die ersten Untersuchungen in diesem Bereich durch und lieferte Informationen über die Geschichte des Sees der letzten 15.000 Jahre. Die klimatischen Ergebnisse wurden bereits im Kapitel 2.2 zusammengefaßt. Die aktuellsten Untersuchungen von 1990 über die Oberflächensedimente liefern Beweise für eine Eutrophierung des Sees aufgrund Ablagerungen von Stickstoff und Phosphor, eine Veränderung der Diatomeenzusammensetzung und der Menge an Sedimentablagerung seit 1960. (RUUD 1995)

3.3. Biotische Umwelt

3.3.1. Phytoplankton

Studien über Phytoplankton des Viktoria-Sees werden bereits seit 1888 betrieben. Die heutigen ökologischen Studien beziehen sich meist auf das massive Fischsterben und über die Blau-Grünalgen der kenyanischen Gewässer.

Seit 1888 blieb die Artenzusammensetzung mehr oder weniger stabil, aufgrund der Größe des Sees und der geringen industriellen Ansiedlungen im Uferbereich. Heute stellt man eine starke Dominanz der Blau-Grünalgen fest, verursacht durch eine Änderung in den ökosysteminternen Bedingungen, die vor allen Dingen durch eine Eutrophierung hervorgerufen wird. In den 60er Jahren setzte sich das Phytoplankton aus Blau-Grünalgen (Microcystis spp., Anabaena spp., Anabaenopsis tanganyikae, Lyngbya circumcreta, Aphanocapsa spp.), Diatome (Melosira nyassensis, Nitzschia acicularis, Surirella spp., Cymatopleura spp.) und Grünalgen (Staurastrum spp., Coelastrum spp.) zusammen. Die neuesten Untersuchungen zeigen eine Veränderung in der Artenzusammensetzung. Arten von der Gattung Melosira, welche in den 60er Jahren sehr häufig im strandnahen sowie –fernen Bereichen zu finden waren, wurden fast völlig von stickstoffixierenden Cyanobakterien verdrängt. Eine Erklärung für diesen Wechsel kann sein, daß die Si-Konzentration im See und damit auch die N/P-Konzentrationen abnahm. Wenn dies der Fall ist, wird das Wachstum der Blau-Grünalgen begünstigt, was die Dominanz dieser Gattung erklären würde. (RUUD 1995)

3.3.2. Zooplankton

Die wichtigsten Gruppen im Viktoria-See sind Rotifera, Cladocera und Copepoda. Auffällig bei der Verteilung ist, daß sich ein tägliches Wandern des Zooplankton verzeichnen läßt. Am Morgen kurz nach Sonnenaufgang streben die Tiere an die Wasseroberfläche und wandern kurz nach Sonnenuntergang wieder in die Tiefe. (RUUD 1995)

3.3.3. Macrophyten

Cyperus papyrus ist eine  der verbreitetsten Art im zentralen und östlichen Tropisch-Afrika. Für ihr Wachstum braucht diese Pflanze einen permanent nassen Untergrund. Ihre Verbreitung vollzieht sich durch das Wachstum von Rhizobien. Diese Rhizobien wachsen vom Uferrand aus in des Seewasser hinein und bilden dort einen dichten Teppich. Diese Matten können sehr weit in das Wasser hineinreichen und werden  nach stürmischem Wetter oft auseinandergerissen. Ein typisches Bild nach Sturm sind abgerissene Papyrus-Matten, die vereinzelt auf dem See schwimmen. Die Sümpfe am Uferrand und in der Nachbarschaft des Viktoria-Sees sind charakterisiert durch hohe Vegetation mit Papyrus als dominanter Art. Die Sümpfe sind in den flachen Bereichen im Norden und Süden des Sees zu finden. Das Hauptmerkmal dieser Papyrussümpfe ist ihre puffernde Wirkung. Diese Zone wirkt wie ein natürlicher Filter. Das Bestandteile im einströmenden Wasser, z.B. Phosphate, werden aufgefangen und gelangen somit nicht in das Gewässer. Weiterhin dienen diese Gebiete als Brutgebiete und Zufluchtsstätte für Fische und andere Lebewesen des Sees.

In dieser natürlichen Pufferwirkung der Papyrus-Zone wäre ein Ansatzpunkt zu sehen, um z.B. die fortschreitende Eutrophierung des Sees besser in den Griff zu bekommen. Wenn man diese Zone mehr fördert, könnte auch die Pufferwirkung erhöht werden. Allerdings ist damit die Ursache der Eutrophierung und anderer Umweltprobleme durch die Einleitung von Abwässern aus Industrie und Haushalten natürlich nicht behoben, worauf ein besonderes Augenmerk gerichtet werden sollte. (RUUD 1995)

Die Wasserhyazinthe Eichhornia crassipes wurde Anfang dieses Jahrhunderts auf dem afrikanischen Kontinent eingeführt, zuerst in Ägypten, später auch in Südafrika. Natürlich fand sie auch im Laufe der Zeit Einzug in andere afrikanische Länder. Heute haben etwa 15 Länder auf dem afrikanischen Kontinent mit dieser Pflanze erhebliche Probleme. 1989 wurde sie zum ersten Mal im ugandischen Teil des Viktoria-Sees gesichtet. Ohne Zweifel ist der Kagera River die Quelle und somit konnte sie sich innerhalb der letzten zehn Jahre sehr weit auf dem Viktoria-See ausbreiten. Die Pflanze verhindert die Schiffahrt und die Fischerei. Sie dringt in die Zucht- und Pflegestätten des Sees ein, wo Fischsorten wie Nil-tilapia und Nil-Barsch herangezogen werden. Weiterhin macht die Ausbreitung dieser Pflanze den Zugang zu Fischgründen und Anlegestellen für Boote absolut unmöglich. (RUUD 1995)

4. Fischerei

Die Fischerei ist einer der wichtigsten wirtschaftlichen Stützen rund um den Viktoria-See. Etwa acht Millionen Menschen, die um den Viktoria-See leben, sind abhängig von der Fischerei, da die Fische eine wichtige Proteinquelle für die Menschen bedeutet.

In den 40er Jahren kam es durch den illegalen Einsatz von engmaschigen Netzen und Nylonnetzen sowie von Außenbordmotoren zu einem Überfischen des Sees und zu einer verstärkten Fangeinschränkung in der Nähe der Küste. Damit aber der Proteinbedarf der Bevölkerung gedeckt wurde, führte man in den 50er und 60er Jahren exotische Arten wie Oreochromis niloticus, O. leucosticus, Tilapia zillii und T. rendalli im Viktoria-See ein, die damit die einheimischen Arten verdrängten. In den frühen 50er Jahren wurde der bereits angesprochene Nil-Barsch ausgesetzt. Besonders durch die Einführung dieses Fisches kam es zu einer schlimmen Abnahme und auch zum Verschwinden der einheimischen Fischsorten. 

Die Einführung dieser Arten steigerten die Fänge enorm. Im Jahre 1989 wurden etwa 500.000t Fisch produziert, wobei der Anteil des Nil-Barsches bei etwa 63% lag. Die Aussichten für die Jahre 1990 und 1991 besagten einen Rückgang der Fänge, da das Ökosystem Viktoria-See sehr instabil war und ist. Allerdings lagen für diese Prognose zu dem Zeitpunkt noch keine offiziellen Daten vor.  (RUUD 1995)

Fisch war schon immer einer der wichtigsten Hauptnahrungsmittel um den See und in seiner Umgebung. Die Steigerung des Fanges von 44.000t auf 405.000t in den Jahren 1975 bis 1989 brachte einen bedeutenden Stoß für die Nahrungsversorgung rund um den Viktoria-See und für die städtischen Zentren der drei Länder. 1966 lagen die Fischfänge in Kenya bei 15.444t, was einen Gewinn von etwa £K 3 bis 7 Millionen ausmacht. (OJANY & OGENDO 1973)

Der Nil-Barsch veränderte stark zum einen die Art des Fischens, die Fischverarbeitung und –Vermarktung. Der absolute Marktwert der Produktion von 1989 wurde auf etwa US$ 270 Millionen festgelegt. In Kenya und Tanzania stieg der Wert in Jahren 1985 bis 1990 um 500% bzw. 750%. (RUUD 1995, S.16)

In Kenya entwickelte sich immer mehr eine groß organisierte, exportorientierte Fischindustrie, im Gegensatz zum ursprünglichen kleinorganisierten, für die lokale Bevölkerung gedachten Fischfang. 1991 erreichte der Export von Fischfilets eine Menge von 10.000t, gleichbedeutend mit US$ 20 Millionen. In den Jahren 1964 bis 1966 mußte noch zum größten Teil Fisch importiert werden. Nur etwa 11% der Importe wurden damals exportiert. Abbildung 7 zeigt die Export- und Importmengen in den Jahren 1964 bis 1966 von verschiedensten See- und Meerestieren. (OJANY & OGENDO 1973)

Abb.7: Fischimporte und –exporte in Kenya in den Jahren 1964 bis 1966

Quelle: OJANY & OGENDO 1973, S.155

Der immer stärker werdende Exporthandel verursacht ein Wachstum der fischverarbeitenden Industrie. Es werden Fabriken gebaut, die eine Kapazität von 50.000t Fisch verarbeiten können. Diese Fabriken werden einen großen Einfluß auf den lokalen Markt haben in Sachen Fischverfügbarkeit und Fischpreise. (RUUD 1995) Laut dem Länderbericht von 1994 des Statistischen Bundesamtes lagen 1992 die Fischexporte nach Deutschland bei einem Wert von 3,1 Mio DM. Leider sind keine anderen Länder, in die Fisch aus Kenya importiert wird, zum Vergleich angegeben.

Auch heute noch entfällt der Haupteil der Fischfänge auf die Süßwasserseen im Inland Kenyas. Nur ein sehr geringer Teil wird entlang der Küste zum Indischen Ozean gefangen. 1992 lag der gesamte Fischfang bei 198.500t, wobei etwa 188.600t, also etwa 95%, auf die Süßwasserreservoire entfielen. Der Viktoria-See hat dabei den größten Anteil mit 183.800t (93%).

 Im August 1994 wurde in Kisumu ein neues Abkommen über die Fischereirechte im Viktoria-See mit den Anrainerstaaten Tanzania und Uganda getroffen. Für Uganda sit der Fischfang auch von großer Bedeutung. Er ist die wichtigste Proteinquelle und bietet eine umfangreiche Beschäftigungsmöglichkeit für die ländliche Bevölkerung. 1989 lagen die Fangmengen bei über 132.000 t im Bereich des Victoria-Sees. Die tanzanischen Fangmengen liegen leider nicht vor.

Die kenyanische Regierung erhoffte sich damit eine Belebung der regionalen Fischerei. Wichtige Punkte dieses Abkommens sind die gemeinsame Bewirtschaftung der Fischereiressourcen, der Aufbau einer Fischverarbeitungsindustrie und die ökologische Kontrolle des größten Binnensees Afrikas. Besonders dem letzten Punkt gebührt besondere Bedeutung, da sich der ökologische Zustand des Sees rapide verschlechtert. Die aktuelle Umweltproblematik wird im nachfolgenden Punkt näher behandelt.  (STATISTISCHES BUNDESAMT 1994)

Die gegründete Lake Victoria Fisheries Organization soll die Fischerei in allen angrenzenden Ländern auf eine umweltverträgliche Basis bringen. Um dies zu erreichen, müssen aber als erstes die Fänge eingeschränkt werden, so daß sich die Exportmengen an Fisch zwangsläufig verringern werden. Aber nur dieser Ansatz bringt längerfristig gesehen einen greifenden Erfolg.  (RUUD 1995)

5. Aktuelle Umweltproblematik

In den letzten Jahrzehnten vollzogen sich rund um das Ökosystem Viktoria-See einige Veränderungen in seiner Chemie und Biologie.

Zum einen nahm die Anzahl der Arten und Größe der Populationen einheimischer Fischarten drastisch ab. Gründe dafür ist das Wachsen von Blau-Grünalgen, die Verringerung der Si-Konzentration und die Einführung des Nil-Barsches, dem es gelang, die einheimischen Fischsorten erfolgreich zu verdrängen. Die anderen Veränderungen sind wohl auch auf die Ausbreitung dieser Fischart und auf klimatische Veränderungen zurückzuführen. Das aktuellste und dringlichste Problem des Viktoria-Sees ist die Ausbreitung der Wasserhyazinthe.

Der Viktoria-See diente und dient immer noch als Ablageort für Abfall jeglicher Art. Die Verschmutzung stieg mit den steigenden Bevölkerungszahlen rapide an. Das führt dazu, daß der gesundheitliche Zustand sich verschlechtert und sich wasserübertragbare Krankheiten ausbreiten können. Auch verringert sich der Nutzen des Viktoria-Sees für die Uferbevölkerung, da der See nicht weiter als Trinkwasserquelle oder für die Fischerei genutzt werden kann.

Die Ursachen der Verschmutzung sind sehr vielfältig. Seit der Intensivierung der Landwirtschaft, der Einführung der agrarischen Industrie und der Ausbildung von städtischen Zentren in dem kenyanischen Einzugsgebiet, verringerte sich die Wasserqualität der zum Viktoria-See fließenden Flüsse, die somit zur Eutrophierung  des Sees beitragen.

In den Gebieten um Entebbe und Kampala in Uganda und im Gebiet von Mwanza in Tanzania wurde ein erhöhter Eintrag von toxischen Stoffen, verursacht durch industrielle Ausflüsse, festgestellt.

Durch die Goldvorkommen im Osten und Süden von Musoma und im Süden von Mwanza in Tanzania kam es zu einem starken Wachstum der dort liegenden Siedlungen. Um das Gold zu gewinnen, mußte Quecksilber eingesetzt werden, was dann anschließend in die Umwelt abgelassen wurde.

Die Landnutzung in den ufernahen Bereichen spielt eine Hauptrolle bezüglich des Verschmutzungsprozesses des Sees. Durch den hohen Druck auf die Anbauflächen aufgrund des ständigen Wachstums der Bevölkerung kommt es zur Entwaldung und damit zu vermehrter Bodenerosion. Die damit erhöhten Schlammraten und Nährstoffeinträge führen zur Eutrophierung des Sees. Die Papyrus-Zonen, also die Feuchtränder des Sees, werden in landwirtschaftliche oder industrielle Nutzflächen umgewandelt. Damit geht der natürliche Filter und Puffer des Sees für eingetragene Stoffe wie Schlamm oder Nährstoffe verloren. Auch die Brut- und Rückzugsstätten für die Fisch- und Vogelwelt werden zerstört. (RUUD 1995)

6. Nachwort

Durch die Paläolimnologie konnte die Geschichte des Viktoria-Sees sehr gut rekonstruiert und nachvollzogen werden. Die Geschichte des Sees in den letzten Jahrmillionen ist geprägt von zahlreichen Veränderungen, tektonischer, klimatischer und heute ganz aktuell ökologischer Art.

Heute spielen die limnologischen Untersuchungen eine besondere Rolle in der Erforschung der Veränderungen in Hinblick auf Eutrophierung, Artenzusammensetzung, Produktivität und Nährstoffvorräte des Sees.

Die durch den Menschen verursachte Probleme sind sehr komplex. Um die Umweltprobleme besser in den Griff zu bekommen, sind tiefgreifende Einschnitte nötig. Zum einen müßte der Eintrag von Landwirtschaft und Industrie sehr stark eingeschränkt werden. D.h., daß die Industrieanlagen umweltgerechter ausgestattet werden müssen, die Landwirtschaft angepaßtere und verträglichere Düngemengen einsetzen muß. Allerdings würde diese Maßnahme sich natürlich sehr stark auf die Bevölkerung auswirken, die dadurch finanziell benachteiligt wäre. Eine andere Sache ist die Verbauung der Uferzone des Viktoria-Sees, wodurch die schützende Papyrus-Zone zerstört wird. Durch den Schutz und Wiederaufbau dieser Zone könnte der Eintrag in den See erheblich gemindert werden. Außerdem könnten die Brut- und Zufluchtsstätten für die Tierwelt wieder hergestellt und erweitert werden.

Die Erhaltung dieses Gewässers und dessen Schutz ist von sehr großer Bedeutung und sollte deshalb oberste Priorität haben. Nicht nur, damit eine große und wichtige wirtschaftliche Quelle gesichert wird, sondern auch, damit die Artenvielfalt dieses Ökosystems erhalten bleibt.

7. Literatur

FUCHS, K. & ALTHERR, R. (1990): Spannung und Spannungsumwandlung in der Lithosphäre; In: DTG – Geowissenschaften, Mitt. XVIII der Senatskommission für  Geowissenschaftliche Gemeinschaftsforschung 1990.- ?

JAEGER, F. (1949): Die Gewässer Ostafrikas – Eine Erläuterung zur Gewässerkarte 1:4.000.000. In: Erdkunde, Band III, 1949.- Bonn

JÄTZOLD, R. (1981): Klimageographie – Ostafrika (Kenya, Uganda, Tanzania).- Berlin

OJANY, F.F.; OGENDO, R.B. (1973): Kenya – A Study in Physical and Human Geography.- Nairobi

RUUD, C.M. (1995): Limnology and hydrology of Lake Victoria – Comprehensive and Comparative Study of Great Lakes, UNESCO/IHP – IV Project M-5.1.- Paris

STATISTISCHES BUNDESAMT (1992): Länderbericht – Uganda 1991.- Wiesbaden

STATISTISCHES BUNDESAMT (1995): Länderbericht – Kenia 1994.- Wiesbaden

WEIGT, E. (1971): Die ostafrikanischen Seen, Wasserschwankungen und wirtschaftliche Nutzung. In: Kölner Geographische Arbeiten, Sonderband.- Köln